Warum die besten Ideen nicht im Stillen entstehen
Gespräch mit Peter Wöckel, Programm Manager bei SINN Sachsen im Impact Hub Dresden

Die Verbindung von Social Entrepreneurship, Crowdfunding und der Wohlfahrt durch SINN lässt eine einzigartige Kombination entstehen. Dadurch treffen unterschiedliche Perspektiven aufeinander und es wird ein Raum für soziale Innovationen mit nachhaltiger Wirkung geschaffen.
Oft haben wir Technologie-Startups oder neue Geschäftsmodelle vor Augen, wenn wir an Innovation denken. Doch auch das Lösen gesellschaftlicher Herausforderungen wird immer populärer und genau damit beschäftigt sich Peter Wöckel beim Impact Hub Dresden.
Mit SINN Sachsen, einem der Programme des Impact Hub Dresden, unterstützt Peter und sein Team Menschen, die mit ihren Ideen und Innovationen gesellschaftliche Herausforderungen angehen möchten. Dabei stehe bei SINN nicht der wirtschaftliche Gewinn im Mittelpunkt, sondern die Wirkung: „Gründen ist nicht das Kriterium bei uns.“ Viele Menschen entwickeln Lösungen für gesellschaftliche Probleme, passen mit ihren Vorhaben jedoch nicht in klassische Gründungsprogramme, die vor allem auf wirtschaftlichen Erfolg und Profit ausgerichtet sind. Genau hier setzt SINN Sachsen an.
Das große Potenzial in diesem Bereich wird auch durch die Bewerbungszahlen bei dem SINNkubator deutlich. Auf das Förderprogramm für soziale Innovationen bewerben sich regelmäßig zahlreiche Projekte: „Es sind ganz kleine und viele Pflänzchen, die ihre Innovationen in die Gesellschaft einbringen wollen“, beschreibt Peter. Die eingereichten Projekte reichen von Bildungsangeboten über gesellschaftliche Teilhabe bis hin zu digitalen Lösungen. Letzteres führt dazu, dass auch gesellschaftliche Herausforderungen effizienter gelöst und umgesetzt werden können.
Auf die Frage nach den größten Herausforderungen für Social Entrepreneurs überlegt Peter nicht lange. Besonders die Entwicklung tragfähiger Finanzierungsmodelle sei häufig eine Hürde für angehende Gründer*innen. Dabei ist das Ziel, dass die von der Lösung profitierenden Menschen nicht die Kosten tragen müssen. Durch diese starke Trennung von Kunden und Nutzern entstehen besondere Anforderungen an die Finanzierung und damit auch an die Umsetzung sozialer Innovationen. Peter ist dabei jedoch ganz wichtig, ins Bewusstsein der Social Entrepreneurs zu rufen, dass gerade durch spezielle Finanzierungsmodelle keine Abhängigkeit von Fördermitteln entstehe.
Viele Herausforderungen könnten nach Peter bereits von Social Entrepreneurs selbst gelöst werden, indem sie stärker an ihr eigenes Selbstbewusstsein sowie die Wirkung und Tragfähigkeit der eigenen Innovation glauben.
„Wer von seiner Idee überzeugt ist, kann Sichtbarkeit aufbauen, Netzwerke knüpfen und darüber langfristig auch Finanzierungsmöglichkeiten erschließen.“
Sein wichtigstes Learning aus vielen Jahren im Bereich des Social Entrepreneurships lautet daher: „Wenn du eine geile Idee hast, sprich drüber, so schnell und so viel du kannst.“ Viele Menschen hätten Angst davor, dass ihre Ideen kopiert werden könnten. Peter sieht das jedoch gelassen und weist darauf hin, dass eine Idee umzusetzen Zeit benötige, die viele von uns im Alltag gar nicht aufbringen können.
Für Peter beginnt die gesellschaftliche Veränderung also mit einem einfachen ersten Schritt: die eigene Idee auszusprechen. Erst durch Austausch, Feedback und Zusammenarbeit können aus guten Ideen Lösungen werden, die langfristig Wirkung entfalten. Denn die besten Ideen entstehen selten allein und Wirkung schon gar nicht.
Das Gespräch war Teil der GründerGarten-Netzwerkreihe, geführt und aufbereitet von Amalia Sophie Risy.
Dresden, 02.06.2026