Vier Tage Gründungszeit, 15 Jahre Wirkung

Von Amalia am 21. Juli 2026

15 Jahre nach der Gründung des gemeinnützigen Unternehmens „Was hab’ ich?“ verfolgt Gründer Ansgar Jonietz noch immer die gleiche Vision: das Gesundheitssystem verständlicher machen.

Die Idee entstand aus einer einfachen Beobachtung, denn medizinische Befunde sind für viele Menschen oft sehr unverständlich. Deshalb entwickelte Ansgar gemeinsam mit einem interdisziplinären Team aus Informatik und Medizin ein Angebot, welches die Befunde in verständliche Alltagssprache übersetzt. 

Was heute auf 15 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblickt, entstand damals in erstaunlich kurzer Zeit: Zwischen der Idee und der Gründung lagen gerade einmal vier Tage. Möglich wurde das durch ein engagiertes Team, eine gute Vorbereitung und „ein paar lange Nächte”. Dass der Bedarf an dieser Innovation groß war, zeigte sich schnell. Denn bereits in den ersten vier Wochen teilten rund 500 Menschen auf anonymem Weg ihre Befunde, die anschließend übersetzt wurden.

Dem Gründerteam war dabei von Anfang an klar, dass es sich um ein gemeinnütziges Unternehmen handeln soll, denn die Übersetzung der Befunde beruht auf der Arbeit ehrenamtlicher Ärzt*innen und Medizinstudierender. „Wenn man ein Modell hat, das auf Ehrenamt basiert, kann man da schlecht eine gewinnorientierte Organisation drüberstülpen“, erklärt Ansgar.

Doch auch Social StartUps müssen wirtschaftlich denken, dabei ist die Entwicklung eines tragfähigen Geschäftsmodells essenziell. Einerseits sollte das Angebot von „Was hab‘ ich?” vielen Menschen kostenfrei zugänglich bleiben, doch andererseits müssen auch Wege gefunden werden, um die Arbeit langfristig zu finanzieren. Deshalb entwickelten sie neben der Befundübersetzung weitere Angebote, darunter Kommunikationskurse für Mediziner*innen sowie eine Software für verständliche Patientenbriefe. Dadurch können Kund*innen das Kernangebot von „Was hab‘ ich?” weiterhin kostenfrei nutzen.  

Auf der Suche nach neuen Büroräumen für „Was hab‘ ich?“ entstand 2015 ganz zufällig ein weiteres Standbein zur finanziellen Absicherung der gGmbH, aber auch ein weiterer Ort für die Dresdner StartUp- und Innovations-Szene: das Impact Loft. Der Coworking-Space lebt vom Austausch unterschiedlicher Perspektiven: „Wenn man beim Mittagessen nicht immer nur über das eigene Projekt redet, sondern auch mit ganz anderen Organisationen den Austausch hat ist das eine schöne Abwechslung.“, erklärt Ansgar. Gerade dieser Austausch über die eigenen Projekte hinaus macht das Impact Loft seit seiner Gründung zu einem wertvollen Ort der Zusammenarbeit. 

Nach vielen Jahren im Social Entrepreneurship konnte Ansgar bereits wertvolle Erfahrungen sammeln und seinen Wissenshorizont erweitern. Dabei zählt er zu seinen wichtigsten Learnings, den Austausch zu suchen und Feedback anzunehmen. Wichtig ist dennoch, nicht jeder Meinung die gleiche Bedeutung zuzuschreiben und diese überzubewerten. Zudem möchte Ansgar gerade jungen Gründer*innen deutlich machen, dass man in die Praxis gehen muss, um die eigene Idee auf ihre Funktion zu prüfen.

Auch nach 15 Jahren steht für Ansgar noch immer dieselbe Frage im Mittelpunkt: Wie können Menschen medizinische Informationen besser verstehen? Die Geschichte von „Was hab‘ ich?“ zeigt, dass aus einer einfachen Idee und dem Mut zur Umsetzung, langfristige gesellschaftliche Wirkung entstehen kann.

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