Gespräch mit Lorenz Weil, Community Development Manager & Prokurist des Impact Hub Dresden

„Die Zukunft Sachsens wird dann erfolgreich sein, wenn wir kollektiv verstehen, dass Kooperation und Kollaboration der einzige Weg sind, international zu bestehen.“
Zu oft richtet sich der Blick nach Berlin, München oder sogar ins Ausland, wenn wir über Innovation sprechen. Doch für Lorenz Weil, dem Community Development Manager und Prokurist beim Impact Hub Dresden, ist das zu kurz gedacht.
„Sachsen muss sich hier in Deutschland und Europa nicht verstecken.“
Im Gegenteil! Der Freistaat verfügt über großes Potenzial durch die zahlreichen Forschungsinstitute und das Know-How in Bereichen wie Wasserstoffwirtschaft, virtuelle Kraftwerke oder Batterie Diagnostik. Nicht zuletzt auch durch die internationale Bedeutung der Chipindustrie hier in Dresden. Scheitern tut es also nicht an den Voraussetzungen oder an fehlendem Wissen. Vielmehr fehlt es an Selbstbewusstsein, die Welt von den eigenen Ideen und Initiativen teilhaben zu lassen.
„Man sollte im Wettbewerb schauen, wer die Konkurrenten international sind, denn der Wettbewerb findet international statt.“
Der Impact Hub versucht daran zu arbeiten, indem nachhaltige Initiativen unterstützt werden. Neben dem bekannten Programm SINN Sachsen vereint der Impact Hub Coworking Spaces, Community und verschiedene Förderprogramme. Mit „Business, Baby!“ wird beispielsweise gezielt der Gender Gap in der Gründerszene adressiert, während das Impact Tandem am Gemeinwohl orientierte StartUps mit Mittelständlern und Großunternehmen zusammenbringt, die Nachhaltigkeit voranbringen wollen.
Die Community steht dabei für den Impact Hub immer im Zentrum. Für Lorenz ist klar, dass erfolgreiche Innovationsökosysteme vor allem auf Vertrauen basieren.
„Eine gute Community reicht auch die Hand, wenn jemand ins Stolpern geraten ist.“
Ebenso wichtig sei die Bereitschaft, Ideen offen zu teilen und sich Feedback einzuholen, denn nach Lorenz ist die Angst vor dem sogenannten Ideenklau überschätzt. Entscheidend sei nicht die Idee allein, sondern die Fähigkeit, diese erfolgreich in der Realität umzusetzen. Zudem seien Prozesse, Kundennähe und kontinuierliche Weiterentwicklung oft sogar wertvoller als jeder vermeintliche Vorsprung.
„Execution is key!“
Gleichzeitig wünscht sich Lorenz einen stärkeren Fokus auf Internationalisierung bereits bestehender Innovationen und Lösungen. Zu oft würden wir uns vor allem bei sozialen Innovationen auf die Identifizierung neuer Probleme konzentrieren, anstatt bereits Geschaffenes in die Breite zu bringen. Diese Herausforderung ist in Deutschland auch strukturell bedingt, denn der Föderalismus führt dazu, dass „das Rad 16-mal neu erfunden wird“. Das sei weder besonders effizient noch nachhaltig, meint Lorenz.
Für ihn ist wichtig, dass Gründer*innen den Mut haben zu stolpern, denn wer etwas bewegen möchte, muss den Schritt ins Ungewisse wagen. Persönlicher und gesellschaftlicher Fortschritt entsteht nur dort, wo Menschen bereit sind, Verantwortung zu übernehmen und Dinge auszuprobieren.
Das Gespräch war der GründerGarten-Netzwerkreihe, geführt und aufbereitet von Amalia Sophie Risy.
Dresden, 04.04.2026