Die Erfolgsfaktoren, die niemand an der Uni lernt

Von Amalia am 21. Juli 2026

„Ich komme ursprünglich aus Thüringen und bin eher zufällig in die StartUp-Szene geraten“, erzählt Christian. Nach seiner Ausbildung im Bankwesen und ersten Erfahrungen im Finanzumfeld merkt er schnell, dass er selbstständiger arbeiten möchte. Intensiver mit Entrepreneurship kommt er schließlich in Jena während seines Wirtschaftsstudiums in Kontakt und stellt sich die Frage, wie Unternehmen im Kern eigentlich entstehen. 

Auch für Christian hat das Auslandssemester wertvolle Erfahrungen und Learnings parat. So kommt er mit Menschen in Kontakt, die selbst gründen: „Dadurch habe ich mich immer stärker mit Gründung und Innovation beschäftigt“. Für den Master zieht es ihn schließlich nach Dresden, nicht zuletzt wegen des Entrepreneurship-Schwerpunkts im Master an der TU. 

„Dann ging das Schlag auf Schlag“, erinnert er sich. Aus einer kleinen Gruppe entsteht 2013 schnell eine Hochschulinitiative, aus der später der GründerGarten wird. Damit ist in Dresden eine Plattform entstanden, die gründungsinteressierten Studierenden eine Struktur und Community gibt. 

Durch das richtige Netzwerk, eine gute Community und nicht zuletzt auch durch sein Durchhaltevermögen ist Christian heute Senior Investment Manager bei S-Beteiligungen & dem Technologiegründerfonds Sachsen (TGFS) und erhält so tagtäglich wertvolle Einblicke in aktuelle Möglichkeiten und Veränderungen der StartUp Szene. 

Besonders auffällig sind für Christian die steigenden Finanzierungssummen, die er vor allem durch seine Arbeit beim TGFS mitbekommt. „500.000 Euro waren früher viel Geld“, doch heute reicht das lediglich für ein Team und die ersten marktfähigen Produkte der ersten zwei Jahre.

Zudem erkennt Christian auch weiterhin eine thematische Veränderung. Nach E-Commerce und B2B-Software dominiert heute Künstliche Intelligenz und verändert sehr stark die Dynamik am Markt. So seien Software-Startups früher oft gut planbar gewesen, doch heute könne KI in kürzester Zeit ganze Geschäftsmodelle nachbauen. Das führe zu mehr Unsicherheit in der Branche, bringe jedoch auch mehr Chancen auf radikale Innovation.

Gleichzeitig gewinnen Bereiche wie Defense-Tech seit 2022, dem Start des Krieges in der Ukraine, wieder an Bedeutung. Christian erinnert sich, dass gerade dieses Thema über einige Jahre nahezu tabu war und nur wenige in diese Innovationen investieren wollten. Doch durch die aktuelle globale Lage wird ein großer Bereich für neue Innovationen und Forschungen eröffnet. 

Viele StartUps scheitern laut Christian nicht an der Idee oder der Technologie. Bereits in frühen Phasen wird die Stabilität eines Gründerteams geprüft, wenn es zu internen Abstimmungen kommt oder private Themen die Zusammenarbeit belasten.

„Die meisten Probleme entstehen eigentlich immer im Team.“

Wie gut die Zusammenarbeit innerhalb des Teams letztendlich wirklich ist, wird auch durch das Auftreten externer Probleme getestet. Dabei sind abspringende Kund*innen, ein steigender Wettbewerb oder wirtschaftlicher Druck typische Hürden, die nur mit einer inneren Geschlossenheit gelöst werden können.  

Bei der Wahl der Mitgründer*innen rät Christian deshalb zu Sorgfalt. Der „Sandkastenfreund oder die Sandkastenfreundin“ müsse nicht die beste Wahl sein. Viel wichtiger seien die Fähigkeit zur professionellen Zusammenarbeit, gegenseitiges Vertrauen und ein konstruktiver Umgang mit Konflikten.

„Ein Unternehmen zu gründen ist kein Sprint, sondern ein Marathon.“

Christian betont, dass nach der Findung der Idee und der Aufstellung des Teams die eigentliche Arbeit erst losgeht. Ausdauer, Disziplin und der Glaube an die eigene Innovation seien deshalb sehr wichtige Voraussetzungen. Gerade die Anfangsphase einer Gründung ist dabei besonders wertvoll, da die Lernkurve steil ist und Gründer*innen früh Verantwortung übernehmen müssen. Bei der Arbeit selbst ist es entscheidend, ein funktionierendes Netzwerk zu haben. Wenn Gründer*innen wissen, wen man bei auftretenden Problemen fragen kann, ist oft ganz viel Zeit gespart.

Auch mit Blick auf mögliche Investor*innen gibt Christian einen Einblick: Die Präsentation der perfekten Idee ist oft nicht das Hauptkriterium, wichtiger ist es zu zeigen, dass das Team schnell lernen, sich an neue Gegebenheiten anpassen und Feedback konsequent in die Arbeit einfließen lassen kann. Ehrlichkeit und Transparenz in der Kommunikation mit Investor*innen sei dabei besonders wichtig. 

Zum Abschluss räumt Christian mit dem Mythos des sogenannten Ideenklaus auf. Statt Ideen möglichst lange geheim zu halten, empfiehlt er, sich frühzeitig Feedback einzuholen und den Austausch mit potenziellen Kunden, Geschäftspartnern und Fachleuten zu suchen. Denn am Ende zählt nicht allein die Idee, sondern ihre Umsetzung. Oder wie Christian es sagt:

„Execution is everything.“

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